Beteiligung an einer Schlägerei, die den Tod eines Menschen zur Folge hat, § 231 I StGB

Auch durch die Beteiligung an einer Schlägerei kann es zum Tode einer Person kommen.

Die Norm des § 231 StGB stellt ein abstraktes Gefährdungsdelikt dar. Dies meint, dass Strafgrund die generelle Gefährlichkeit von Schlägereien für Leib und Leben ist. Auseinandersetzungen von zwei Personen oder mehr haben häufig schwere Folgen und es ist meist nicht möglich zu ermitteln, wer die schwere Folge genau verursacht hat.

§ 231 StGB möchte diesen Beweisschwierigkeiten begegnen, die sich typischerweise aus der Unübersichtlichkeit einer Schlägerei ergeben.

Wann liegt eine Schlägerei vor?

Eine Schlägerei liegt bei jeder mit gegenseitigen Körperverletzungen verbundenen Auseinandersetzung von mehr als zwei Personen vor. Die Tätlichkeiten brauchen nicht gleichzeitig verübt zu werden. Es genügt, wenn nacheinander bloß 2 Personen gleichzeitig wechselseitig Tätigkeiten verüben. Dann wird aber vorausgesetzt, dass zwischen den Vorgängen ein so enger innerer Zusammenhang besteht, dass die Annahme, die Tätlichkeiten seien ein einheitliches Gesamtgeschehen, gerechtfertigt ist.

Wann beteilige ich mich an einer Schlägerei?

Beteilige ich mich nur an einer Schlägerei, wenn ich auch draufhaue? Oder mache ich mich schon vorher strafbar?

Nach herrschender Meinung liegt ein e Beteiligung vor, wenn der Täter am Tatort anwesend ist und durch physische oder psychische Mitwirkung an der Auseinandersetzung teilnimmt. Es ist somit nicht nötig, dass man sich durch aktives Mitschlagen an der Auseinandersetzung beteiligt. Vielmehr reicht es aus, wenn man eine psychische Unterstützung, zum Beispiel durch auffordernde Zurufe, darstellt, da auch diese gefahrerhöhend wirken.

Jedoch ist zusätzlich vorauszusetzen, dass die Beteiligung eine feindselige Willensrichtung ausweisen muss. Derjenige, der Frieden stiften möchte oder der sich bloß schützt, beteiligt sich nicht an einer Schlägerei. Ziel des Angriffs muss gerade die Verletzung des Angegriffenen sein.

Subjektive Bedingung der Strafbarkeit

Durch die Schlägerei oder den Angriff muss der Tod eines Menschen oder eine schwere Körperverletzung gem. § 226 StGB verursacht worden sein. Weiter ist erforderlich, dass diese in einem Zurechnungszusammenhang mit der Schlägerei eingetreten ist. Auch sind Fluchtreaktionen in Panik erfasst.

Zu beachten ist, dass § 231 StGB auch dann anwendbar ist, wenn die schwere Folge auf einer Notwehrhandlung beruht und einen Angreifer trifft.

Zufällig einen unbeteiligten Dritten getroffen – trotzdem § 231 StGB verwirklicht?!

Es ist unerheblich bei wem die Folge eintritt. Sie kann bei einem an der Schlägerei Beteiligtem oder aber auch an einem unbeteiligtem Dritten (z.B. Polizist) eintreten. Auch Täter kann hier zugleich Opfer sein. Es hängt letztlich vom Zufall ab, bei wem die schwere Folge oder der Tod eintritt.

Erst am Ende der Schlägerei dazu gekommen – bin ich jetzt Beteiligter an der Schlägerei?

Es gibt zwei Fallkonstellationen, in denen sich der Zeitpunkt der Beteiligung auf die Strafbarkeit auswirken kann.

  1. Beteiligter schließt sich erst nach Eintritt der schweren Folge der Schlägerei an.

    Nach der in der Literatur vertretenen Ansicht ist in einem solchen Fall die Strafbarkeit nach § 231 StGB abzulehnen, da aus Zurechnungsgründen nur derjenige haften sollte, der zurechenbar das Risiko genutzt habe, welches sich dann in der Folge verwirklicht habe.

    Ist der Zeitpunkt des Anschlusses an der Schlägerei unklar, so ist nach dem Grundsatz in dubio pro reo (Im Zweifel für den Angeklagten) anzunehmen, dass er erst später dazugekommen ist.

    Einige Literaturvertreter sehen dies auch dann so, wenn der Beteiligte zunächst an der Schlägerei mitgewirkt hat, diese aber verlassen hat bevor es zur schweren Folge gekommen ist.

  2. Die herrschende Meinung unterscheidet nicht nach dem Zeitpunkt, an dem der Täter an der Schlägerei beteiligt war. § 231 StGB ist geschaffen worden, um Beweisschwierigkeiten zu vermeiden. Diese würden aber wieder auftreten, wenn man den Nachweis verlangen würde, dass der Beteiligte zum Zeitpunkt der schweren Folge tatsächlich an der Schlägerei beteiligt war.

 
PINKVOSS DAHLMANN & PARTNER | Photos by www.steur.de | Design und Webservice by bense.com | Impressum | Datenschutzerklärung | Sitemap | Suche