Die Mordmerkmale

§ 211 StGB beinhaltet Mordmerkmale, die sich verschiedenen Gruppen zuordnen lassen.

Zu unterscheiden sind die täterbezogenen von den tatbezogenen Merkmalen.

 

Zu den täterbezogenen Merkmalen gehören die Mordmerkmale der 1. Und 3. Gruppe des § 211 StGB. Dazu gehören folgende Mordmerkmale:

1. Gruppe: Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebes, Habgier und sonst niedrige Beweggründe

3. Gruppe: Um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken

Mordlust

Liegt das Mordmerkmal der Mordlust vor, so kommt es dem Täter in erster Linie darauf an, einen Menschen sterben zu sehen. Damit muss zunächst dolus directus ersten Grades vorliegen, der Täter muss somit vorsätzlich handeln und diese Handlung muss sich als eine grundsätzliche Missachtung des höchsten Rechtsguts Leben darstellen. Typisch sind Taten aus Langeweile, Mutwillen und Angeberei. Entscheidend ist, dass es keinen konkreten Tatanlass zum Mord gibt.

Zur Befriedigung des Geschlechtstriebs

Zur Befriedigung des Geschlechtstriebs handelt, er sich durch den Akt selbst oder aber an der Leiche sexuelle Befriedigung verschafft oder den Tod des Opfers bei einer Vergewaltigung zumindest billigend in Kauf nimmt. Das Opfer muss gerade die Person sein, auf die sich das sexuelle Ziel richtet.

Habgier

Definiert wird Habgier als das rücksichtlose Gewinnstreben um jeden Preis. Der Täter geht „über Leichen“.

Ziel der Tat bei einem Mord aus Habgier ist alleine die Erlangung eines wirtschaftlichen Vorteils. Habgier ist zu verneinen, wenn diese erst nach der Tötung gefasst wird.

Handelt auch aus Habgier, wer sein Vermögen bewahren will?

Die herrschende Meinung unterscheidet nicht zwischen dem Täter, der sein Vermögen vermehren will und demjenigen, der bloß Aufwendungen sparen will. Somit liegt auch bei Bewahrung des Vermögens Habgier vor. Bei genauer Betrachtung besteht kein Unterschied zwischen den Alternativen: Beide Male geht der Täter aus eigensüchtigen Motiven wegen der Mehrung oder Entlastung seines Vermögens "über Leichen".

Sonst niedrige Beweggründe

Ein Mord aus sonst niedrigen Beweggründen liegt vor, wenn der Tatantrieb nach allgemeiner rechtlich-sittlicher Wertung auf tiefster Stufe steht, durch hemmungslose Eigensucht bestimmt und deshalb besonders verachtenswert ist. Dies ergibt sich aus der Gesamtwürdigung aller äußeren und inneren Faktoren, welche für die Motive des Täters entscheidend sind. Solche Faktoren können sein die Umstände der Tat, die Lebensverhältnisse des Täters oder ein Missverhältnis zwischen Anlass und Zweck. Der Maßstab für die allgemein sittliche Wertung sind die Wertvorstellungen und Anschauung der Bundesrepublik Deutschland.

Der Täter muss sich subjektiv der Umstände bewusst gewesen sein, die die Niedrigkeit der Beweggründe ausmachen. Es ist nicht notwendig, dass er sie selbst als niedrig eingestuft hat.

Charakteristisch sind hier zwei Fallgruppen:

  1. Die Tat ist keine verständliche Reaktion auf eine Situation mehr, beispielsweise bei übertriebenem Neid, Rache oder Wut.
  2. Der Täter setzt aus übermäßiger Eigensucht die Tötung zur Erreichung eines Ziels ein – er instrumentalisiert das Leben seines Menschen.

Problematisch in diesem Zusammenhang sind der Ehrenmord und die Blutrache.

Früher würde auf die Wertvorstellung des Kulturkreises des Täters Rücksicht genommen, wenn es um Ehrenmord ging. Heute sind aber nur noch die Wertvorstellungen der Bundesrepublik Deutschland relevant. Niedrige Beweggründe können dann nur noch verneint werden, wenn sich der Täter bei der Tat nicht der Umstände bewusst war, welche maßgeblich für die Niedrigkeit seiner Tat sind.

Ist die Blutrache Vergeltung an jemandem, der selbst die Tötung eines anderen verursacht hat, dann kann das Mordmerkmal in ganz bestimmten Fällen verneint werden. Insbesondere bei einem Verlust von nahestehenden Angehörigen durch eine Gewalttat sind Tötungen, die aus Rache motiviert sind, nicht ohne weiteres ein Mord aus niedrigen Beweggründen, da die Motive des Täters in einer solchen Belastungssituation nicht grundsätzlich „niedrig“ sind.

Ermöglichungsabsicht

Der Täter tötet in Ermöglichungsabsicht, wenn es ihm gerade darauf ankommt, durch sein Vorgehen eine andere Tat zu fördern.

Es reicht hier aus, wenn sich der Täter für die zum Tod führende Handlung entscheidet, um so die andere Tat schneller und leichter begehen zu können. Bezüglich der Tötung selbst reicht dolus eventualis, bezüglich der Ermöglichung muss jedoch dolus directus des ersten Grades vorliegen.

Ob der Täter eine eigene Tat oder die eines Dritten ermöglichen will, ist gleichgültig.

Verdeckungsabsicht

Ein Täter handelt mit Verdeckungsabsicht, wenn er tötet, um sich der Entdeckung wegen einer vorangegangenen Straftat zu entziehen. Es genügt, wenn der Täter die Tötungshandlung als notwendiges Verdeckungsmittel sieht.

Die tatbezogenen Merkmale sind die, der 2. Gruppe: Heimtücke, Grausam, mit gemeingefährlichen Mitteln.

Heimtücke

Der Täter handelt heimtückisch, wenn er die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst zur Tötung ausnutzt.

Das Opfer ist arglos, wenn es sich im Moment des Angriffs eines solchen nicht versieht.

Das Opfer ist wehrlos, wenn es aufgrund seiner Arglosigkeit in seinen Abwehrmöglichkeiten zumindest eingeschränkt ist.

Das Mordmerkmal der Heimtücke ließe sich sehr weit auslegen. Da auf Mord aber eine lebenslange Freiheitsstrafe steht, wäre dies nicht angemessen, sodass die Heimtücke restriktiv auszulegen ist. Wie genau die Auslegung zu erfolgen hat, lässt sich an verschiedenen Ansätzen der Lehre ablesen. Herrschend ist die Lehre von der feindseligen Willensrichtung, nach welcher der Täter nur dann heimtückisch handelt, wenn er das Opfer gegen dessen Willen tötet. Hierbei geht es überwiegend um die Abgrenzung zur Tötung auf Verlangen, § 216 StGB.

Grundgedanke des Mordmerkmals Heimtücke ist es, ein Handeln des Täters zu bestrafen, das für das Opfer besonders gefährlich ist, weil es vom Täter in einer hilflosen Lage überrascht wird und sich deshalb des Angriffs nicht oder nur schwer erwehren kann.

Gemeingefährliche Mittel

Ein Tötungsmittel ist gemeingefährlich, wenn dessen Einsatz geeignet ist, über das bestimmte Opfer hinaus eine Mehrzahl unbeteiligter Dritter an Leib oder Leben zu gefährden, weil der Täter die Wirkungsweise des Mittels in der konkreten Situation nicht sicher beherrschen kann. Es reicht eine abstrakte Gefährlichkeit in der konkreten Situation. Es geht allein um die Schaffung einer objektiv nicht beherrschbaren Gefahr für andere und das billigende in Kauf Nehmen dieser Gefährdung. Es reicht nicht aus, wenn ein Täter eine vorhandene gemeingefährliche Situation ausnutzt, maßgeblich ist die Rücksichtslosigkeit des Täters, sodass er die Situation selbst aktiv und mit Tötungsvorsatz herbeigeführt haben muss.

Grausam

"Grausam tötet, wer dem Opfer besondere Schmerzen oder Qualen körperlicher oder seelischer Art aus gefühlloser, unbarmherziger Gesinnung zufügt." (BGHSt 49, 189, 196)

Die Qualen und Schmerzen müssen dabei über das für die Tötung als solche erforderliche Maß hinausgehen. Dies muss auch vom Vorsatz des Täters umfasst sein.

 
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