Fahrlässige Körperverletzung und Tötung

Ebenso kann der behandelnde Arzt den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung oder gar fahrlässiger Tötung verwirklichen.

Die Fahrlässigkeit

Fahrlässigkeit ist die Verletzung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt. Hier ist der Facharztstandard maßgeblich. Dies meint genauer das zum Behandlungszeitpunkt in der ärztlichen Praxis bewährte, nach naturwissenschaftlicher Kenntnis gesicherte, von einem durchschnittlichen Facharzt verlangte Maß an Kenntnis und Können.

Umso gefährlicher die Behandlung für den Patienten, desto höher das Maß der erforderlichen Sorgfalt.

Typische Problemfelder bestehen im Bereich Diagnose, Indikation, Wahl, Aufklärung und Organisation der Behandlung.

Weiter ist auch in subjektiver Hinsicht zu erörtern, ob dem jeweiligen Arzt ein Schuldvorwurf gemacht werden kann. Dies ist an den persönlichen Fähigkeiten und Kenntnissen zu messen. Es gibt somit einen objektiv berufs- und subjektiv personenbezogenen Schuldvorwurf, auch doppelter Schuldvorwurf.

Als Beispiel könnte hier der Assistenzarzt genannt werden, welcher einer Geburtssituation nicht gewachsen wäre.

Zu beachten bleibt jedoch, dass ein jeder Arzt einer Fortbildungspflicht unterliegt. So soll der medizinische Standard aufrechterhalten und die optimalste Versorgung der Patienten ermöglicht werden.

Ein Unterfall der Fahrlässigkeit stellt die Übernahmefahrlässigkeit dar.

In einem solchen Fall handelt der Arzt objektiv pflichtwidrig und subjektiv schuldhaft, der freiwillig, ohne aus einer Notsituation heraus zu handeln, eine Tätigkeit übernimmt, der er mangels eigener persönlicher Fähigkeiten oder Sachkunde erkennbar nicht gewachsen ist oder die er aus anderen Gründen nicht den erforderlichen Sorgfaltsmaßstab entsprechend erfüllen kann.

Müdigkeit, Krankheit und Trunkenheit können mitunter zu einer solchen Form der Fahrlässigkeit führen. Auch die Überschätzung der Qualifikation, wie auch der Mangel an Selbstkritik kann unter Umständen zum Vorliegen der Übernahmefahrlässigkeit führen.

Durch Unterlassen

Die fahrlässige Körperverletzung, als auch die fahrlässige Tötung können auch durch Unterlassen verwirklicht werden.

Hier kann es schwer sein, zwischen Tun und Unterlassen zu unterscheiden. Maßgeblich ist der Schwerpunkt der Vorwerfbarkeit. Ein Beispiel könnte im Zusammenhang mit Operationen 1. Das Beginnen der Operation ohne die erforderliche Voruntersuchung sein (Tun) oder aber 2. die Nichtvornahme der erforderlichen Untersuchung (Unterlassen).

Damit eine Strafbarkeit durch Unterlassen jedoch vorliegt, müsste eine Garantenstellung des Arztes gegeben sein. Besteht eine Garantenstellung des Arztes, so entsteht eine Pflicht, den Erfolg einer Körperverletzung oder fahrlässigen Tötung abzuwenden. Dies geschieht durch faktische Übernahme, es bedarf also keines konkreten Vertragsschlusses. Dabei ist zu beachten, dass ein vorangegangenes pflichtwidriges Verhalten (sog. Ingerenz) auch zu einer solchen Garantenstellung führen kann.

Bsp.: Sedierter Patient verlässt nach einer Operation das Krankenhaus und wird von einem Auto erfasst

Die entstandene Garantenpflicht endet erst mit der vollständigen Erfüllung der übernommenen Aufgabe.

 
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