Sexueller Missbrauch von Kindern, §§ 176 ff. StGB

Der § 176 StGB ist der wichtigste, als auch umfassendste Tatbestand gegen Kindesmissbrauch. Sexuelle Handlungen im weitesten Sinne werden hier unter Strafe gestellt.

Geschützt sind die Integrität der freien sexuellen Entwicklung und Fähigkeit zur sexuellen Entfaltung und Selbstbestimmung der Kinder. § 176 StGB ist ein sog. abstraktes Gefährdungsdelikt, schon allein die Möglichkeit der Rechtsgutsverletzung wird unter Strafe gestellt.

Die Verjährungsfrist wurde hier auf 20 Jahre nach Vollendung des 21. Lebensjahrs erweitert. Zivilrechtliche Ansprüche, wie etwaige Schmerzensgeldansprüche verjähren nach 30 Jahren. Minderjährigen, traumatisierten Opfern, die gegebenenfalls erst Jahre später über die Vorkommnisse sprechen können, wird somit ermöglicht die Strafansprüche durchzusetzen.

§ 176 I StGB

Der erste Absatz des § 176 StGB setzt das vorsätzliche Vornehmen einer sexuellen Handlung an einem Kind oder aber das Vornehmen durch das Kind, voraus.

Gemeint ist jede körperliche Berührung, die nicht alters- oder situationsgemäß ist und auf eine sexuelle Erregung abzielt. Die Einwilligung eines Kindes ist ausnahmslos unwirksam.

Handlungen, die grundsätzlich neutral sind und denen nur der Täter sexuelle Bedeutung beimisst, sind nicht erfasst.

§ 176 I StGB ist auch zu bejahen, wenn sexuelle Handlungen an einem schlafenden Kind vorgenommen werden.

§ 176 II StGB

Wird ein Kind dazu bestimmt, sexuelle Handlungen vorzunehmen, so ist an § 176 II StGB zu denken. Bestimmen setzt keine Willensbeeinflussung voraus. Es reicht aus, wenn sexueller Kontakt einfach verursacht wird, was jedoch durch verschiedene Handlungen möglich ist. Das Bestimmen muss zwischen Täter und Opfer geschehen sein.

§ 176 IV, V StGB

In den § 176 IV, V StGB sind Tathandlungen aufgeführt, welche keinen unmittelbaren Körperkontakt zwischen Täter und Kind fordern.

Einzelne Voraussetzungen sind hier in § 176 IV StGB:

Nr. 1 – Sexuelle Handlung vor einem Kind

Um den Tatbestand zu verwirklichen, ist keine körperliche Nähe notwendig, vielmehr reicht es auch, wenn ein Kind über das Internet übermittelte sexuelle Handlungen in Echtzeit am Bildschirm betrachtet. Die Wahrnehmung des Kindes ist für den Täter hier handlungsbestimmend.

Wird beispielsweise eine sexuelle Handlung des Täters ungeachtet der Anwesenheit des Kindes, heißt in Ab- und Anwesenheit dessen, vorgenommen, reicht dies nicht für eine Strafbarkeit nach § 176 IV Nr. 1 StGB aus, jedoch käme eine solche wegen Exhibitionismus in Frage.

Nr. 2 – Bestimmen eines Kindes zur Vornahme sexueller Handlungen

Hier nimmt das Kind die sexuelle Handlung vor, unabhängig von der Vorstellung des Kindes. Jede Art sexueller Handlung ist hiervon erfasst. Nicht erfasst sind Handlungen ohne sexuellen Bezug, die nur für den Täter sexuell erregend wahrgenommen werden, beispielsweise: nackt baden.

Nicht erforderlich ist, dass der Täter während der Vornahme der sexuellen Handlung in räumlicher Nähe ist. Es reicht, wenn die Bestimmung zur sexuellen Handlung dazu gedient hat, dass sich der Täter an der Vorstellung oder dem Gespräch sexuell erregt.

Nr. 3 – Einwirken auf ein Kind durch Schriften zur Veranlassung sexueller Handlungen

Unter Strafe steht jede Handlung, die das Kind zu sexuellen Handlungen an oder vor dem Täter oder Dritten oder zur Duldung sexueller Handlungen durch mediale Einwirkung (Chat-Rooms, Internet, Soziale Netzwerke) bringt.

Hier wird dem Rechnung getragen, dass Täter und Kind sich im Internet in einem Chat-Room kennenlernen und der Täter das Kind zu einem tatsächlichen Treffen veranlasst. Schon die Anbahnungshandlung steht mit § 176 IV Nr. 3 StGB unter Strafe.

„Schriften“ im Sinne der Norm ist auch die Kommunikation im Internet, auch wenn diese keinen sexuellen Bezug aufweist.

Nr. 4 – Einwirkungen auf ein Kind durch pornografische Abbildungen, Tonträger oder Reden

Dieser Tatbestand ist mit dem der Nummer 3 vergleichbar. Jedoch ist hier zwischen missbräuchlichem und sozial adäquatem, pädagogischen oder aufklärendem Verhalten abzugrenzen.

§ 176 V StGB

Der § 176 V StGB stellt das Anbieten eines Kindes für kindesmissbräuchliche Zwecke unter Strafe. Anbieten bedeutet hier, dass Täter in der Lage ist und auch will, dass das Kind für sexuelle Handlungen zur Verfügung gestellt wird. Es ist unerheblich, ob ein solches Angebot ernst gemeint ist, oder nicht.

§ 176a StGB Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern

§ 176a StGB stellt eine Qualifikation zum § 176 StGB dar und stellt den schweren Kindesmissbrauch unter Strafe.

§ 176a I StGB

§ 176a StGB stellt Widerholungstaten unter Strafe. Täter der § 176 I und II StGB, welche innerhalb der letzten 5 Jahre wegen einer solchen Tat bereits verurteilt wurden, werden hier bestraft.

Maßgeblicher Zeitpunkt für den Beginn der Berechnung der 5 Jahre ist nicht der Zeitpunkt der Rechtskraft des damaligen Urteils, sondern die letzte stattgefundene Tatsachenverhandlung. Wird der Täter durch eine behördliche Anordnung in eine Anstalt verwiesen, so ist der Aufenthalt in der Anstalt nicht in den 5 Jahren mit ein zurechnen.

§ 176a II StGB

§ 176a StGB bestraft Täter, die mit dem Kind den Beischlaf oder beischlafähnliche Handlungen vollziehen. Gem. § 176a II Nr. 1 StGB kann Täter hier nur jede Person sein, die über 18 Jahre alt ist.

Auch erfasst ist jede teilnehmende, dritte Person, die über 18 Jahre alt ist.

Beischlafähnliche Handlungen sind solche, die mit dem Eindringen in den Körper verbunden sind. Als Einführungsobjekt kann es sich um Gegenstände oder aber Körperglieder, Geschlechtsglieder ausgenommen, handeln.

Bei der gemeinschaftlichen Begehung des § 176a II Nr. 2 StGB müssen mindestens zwei Personen vorliegen, die aber nicht beide zwingend aktiv sexuelle Handlungen vornehmen müssen. Es reicht, wenn einer der Täter nach § 176 I StGB und der andere nach § 176 II StGB tätig wird.

 
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